Nun, da drei abendfüllende Fernseh-Liveshows zur prime time absolviert sind, Lenas neues Album Good News wie schon sein Vorgänger aus dem Stand Platz 1 der Albumcharts erobert und dabei innerhalb nur einer Woche Goldstatus erreicht hat und die verbleibenden Tickets für ihre im April anstehende Tournee durch die neun größten Hallen der Republik knapp werden, ist es angebracht noch einmal zu staunen: über dieses merkwürdige Zusammentreffen von perfektem Kalkül und atemberaubendem Zufall, das innerhalb eines Jahres aus einer sehr hübschen, sehr aufgeweckten Schülerin mit unspezifischen künstlerischen Ambitionen eine beinahe schon arrivierte Gesangskünstlerin mit Superstarperspektive gemacht hat. Um zu ermessen, wie sehr diese rasante Entwicklung sich von üblichen Castingsternchen-Karrieren unterscheidet, müssen wir noch einmal zurückblicken. Weiterlesen…
Flash-Blog
20. Februar 2011 - Erfolg, der aus Versehen kam
15. Februar 2011 - Lena, der ESC und die Kunst der höheren Heiterkeit
Was an der Debatte um Lenas Titelverteidigung und die Songauswahl-Shows am meisten befremdet, ist ihre unglaubliche Humorlosigkeit. Wenn die Aktion unüberlegt war, dann auch deshalb, weil wohl weder Lena noch Stefan Raab derart verbissene Reaktionen auf der Rechnung hatten – selbst unter ihren Landsleuten nicht. Den „Titel verteidigen“, ausgerechnet beim ESC? Eine Mission Impossible, anmaßend, durchgeknallt, wahnsinnig, ja größenwahnsinnig? Na sicher doch. Das ist ja gerade das Lustige daran.
Anstatt den ESC als das zu begreifen, was er ist – eine riesige, knallbunte Party mit beachtlichem Trash-Appeal und gelegentlich auch mal guter Musik, eine reine Unterhaltungsshow, bei der es doch letztlich ziemlich wurst ist, wer da nun gewinnt oder verliert –, wird diese Veranstaltung ernsthaft in den Rang einer Staatsangelegenheit gehievt. Es ist nicht nur ein Thema, bei dem jeder mitreden will, sondern bei dem viele so tun, als stünde Wohl und Weh eines ganzes Landes auf dem Spiel. Von einer „nationalen Aufgabe“ hat Raab letztes Jahr grinsend gesprochen – ist es zu fassen, dass es erwachsene Menschen gibt, die das ernst nehmen? Weiterlesen…
04. Februar 2011 - LML ist nicht die Ikone der Unbedarftheit
Lena Meyer-Landrut ist wieder da, fast auf den Tag genau ein Jahr nach ihrem medialen Urknall bei „Unser Star für Oslo“. „Unser Song für Deutschland“ heißt die Sendung jetzt, und es ist wohl unvermeidlich, dass Lenas jetzige Auftritte mit denen vor einem Jahr verglichen werden. Diese Vergleiche, das kann man nach den vorliegenden Presse- und Internetreaktionen auf die erste Show von USFD sicher sagen, fallen eher enttäuscht aus.
Es gibt in der Tat gute Gründe, das ganze Projekt einer „Titelverteidigung“ skeptisch zu betrachten. Man kann auch legitimerweise das Konzept der USFD-Shows langweilig und manches Lied mittelmäßig finden. Das soll hier nicht Thema sein. Es geht vielmehr um eine in den Kritiken immer wieder und in vielfacher Variation angestimmte Klage: Lenas „Natürlichkeit“, ihr „Charme des Unbeholfenen“ seien verschwunden. Einige sprechen auch ganz unverhohlen aus, was sie damit meinen, nämlich die „Naivität“, die vermeintliche unschuldige Unbedarftheit der Sängerin. All das scheint im Nachhinein ein Statement zu bestätigen, das vor einigen Wochen aus einem Protokoll des ARD-Programmbeirats anlässlich der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises gesickert war und in Windeseile durch die Presse ging: Man sei enttäuscht, dass Lena „ihre Unbefangenheit verloren“ habe und „nur noch eine Rolle“ spiele.
Wir wollen annehmen, dass viele, die diese Klage äußern, sich gar nichts Böses dabei denken. Dennoch verdient sie unnachsichtige Kritik. Weiterlesen…
28. Januar 2011 - The Lena Meyer-Landrut Experience und der autoritäre Charakter
Knapp ein Jahr nach ihrem erstmaligen öffentlichen Erscheinen ist es bereits zu einer Binsenweisheit geronnen: Lena ist anders. Dass sie anders sang und sich anders bewegte als die übrigen KandidatInnen bei Unser Star für Oslo, war Thema von Stefan Raabs Jury-Statement nach ihrem sensationellen Foundations-Auftritt; hier soll es um ihre Andersartigkeit als Individuum gehen, denn gerade diese Andersartigkeit, die ihre Persönlichkeit betrifft, polarisiert die Öffentlichkeit. Dabei erstaunt sogleich die Heftigkeit, mit der von bestimmter Seite Ablehnung geäußert wird, sowie die Begriffe und Haltungen, die dabei zum Tragen kommen. Was ist das “Skandalöse” an Lena Meyer-Landrut? Weiterlesen…